Parkway Drive – Atlas

Wer sich in der Szene bewegt, und bis heute nicht mitgekriegt hat, dass Parkway Drive nach steilem Aufstieg nun schon geraume Zeit das Aushängeschild von Epitaph Records ist, der hat wirklich etwas verpasst oder lebt wahrscheinlich in Papua Neuguinea.

Nun hat Epitaphs neues Steckenpferd, pünktlich zur November Tour durch Deutschland, ein neues Album rausgehauen.

Im schicken Schwarz kommt es daher. Über dem Emblem der Band prangt ein Schattenriss unserer Erde. Unter ihm in gewollt nicht ganz graziler Schrift der Name des neuen Werkes „Atlas“.

Das die Erde auf dem Cover erheblich größer als der Bandname ist, hat nicht nur optische Gründe, sondern auch standpunkttechnische Hintergründe. So scheinen Winston McCall und der Rest der Besetzung während ihrer Tourneen über die letzten Jahre viel an „Reife“ gewonnen zu haben. „Up until this year, we thought we’d seen it all. But I guess it takes something special to really open your eyes, and for us… …this was it.“ – so sagte er schon im Trailer zum vorherigen Release, Home is for the Heartless, der Tour-DVD zu ihrem bis dato bekanntesten und bestverkauftesten  Album Deep Blue.

Das die Jungs so einiges an Erfahrung und Eindrücken mitgenommen haben, spiegelt sich nun massiv im Output zur neuen CD wieder.

Gepflastert von Naturgewalten gibt sich das Booklet – ein Foto schöner als das nächste, von denen fast jedes die überwältigende Kraft oder Schönheit unserer Erde veranschaulicht. Als Konterdarstellungen verewigen sich in demselben die Versuche der Menschheit sich bemerkbar zu machen, beziehungsweise die Kräfte der Natur einzudämmen/nutzen.

Auch lyrisch legt die Band wieder einen überwältigenden Track nach dem anderen hin. Das Metalcore/Hardcore nicht nur sinnloses In-der-Gegend-Herumgebrülle ist, war schon etwas länger bekannt, jedoch bringen es wenige Bands zu den Ausdrucksformen die Parkway Drive erreichen.
In alter Manier klagt das Album auf eine gewisse Art und Weise wieder von „Herzschmerz“ im Sinne von Fernweh, der Suche nach dem eigentlichen Ich, bis hin zum Vergleich des Wesens mit der Natur (siehe: Blue and the Grey).
Gleichzeitig fungiert es allerdings auch als Plattform zur Warnung. Auch hier bricht der Charakter des Albums wieder durch. So illustrierte die Band mit ihrer ersten Single zum neuen Album, Dark Days beeindruckend den Ernst der Lage, und setzt sich mit den Themen auseinander, die das Booklet  visuell so schön illustriert, geht allerdings den gewissen Schritt weiter und übt Kritik, versucht die Leute wach zu rütteln und auf ihr Tun Aufmerksam zu machen. Nicht umsonst fängt der Song mit den Worten „What will you tell your children when they ask you „what went wrong“; How can you paint a picture of a paradise lost; To eyes that know only a wasteland; How will you justify watching the world die“ an.

Wer an Parkway Drive musikalische Bedenken stellt, muss wirklich mit dem Klammersack gepudert sein. Und genau das stellt die Band auch bei dem neuen Album unter Beweis. Frei nach dem Motto – Noch Größer, Noch Weiter, Noch Epischer – toben sich die Profimusiker aus und legen Tonspuren hin, die den alten Stil wirklich nur noch epischer machen. Alte Fans dürfen sich freuen das Parkway Drive ihren Wurzeln treu geblieben sind, und auch weiterhin schnelle und brutale Riffs mit verschnörkelter Leadgitarre, die bei Luke Kilpatrick und Jeff Ling schon wie eine Art Handschrift wirkt, verbinden. Ein wesentlich tieferes Gefühl wird im neuen Album durch den Einsatz von viel Hall, Streichern und choralem Gesang erzielt, der präsenter ist als je zuvor. Doch auch hier machen Parkway Drive noch keinen Halt und wagen sich auch an eher „experimentellere“ Techniken, die wahrscheinlich in nicht geringem Maße an ihre Support Bands der letzten Jahre zu verschulden sind, sowie einen generellen Trend im Genre zu Elektro Einflüssen, und bedienen sich in The Slow Surrender des Scratchings. Dies bleibt allerdings ein Einzellfall und stört in keinem Fall den Stil der Band, der bekanntermaßen handgemacht auftrumpft.

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt. Nach ihrem definitiven Durchbruchsalbum Deep Blue stehen Parkway Drive mit Atlas gut in den Startlöchern zur neuen Tour, die höchstwahrscheinlich auch eine neue Ära markiert. Nach einem derartig guten Vorgänger bleiben einem nur zwei Optionen – man fällt als Musiker in ein tiefes Loch und versucht ein Album zu kreieren, das den Meilenstein noch überbieten kann, oder man bleibt seinem Stil treu, fügt allerdings eine unglaubliche Portion Epic-/Deepness hinzu. Parkway Drive entschieden sich für Zweiteres und komponierten ein Werk, das vor epischen und tiefgründigen Sounds nur so strotzt. Auch wenn Deep Blue ein unverkennbares Meisterwerk bleibt, schafft es die neue Platte zu überzeugen. Eine definitive Kaufempfehlung!

ALBUM STREAM:

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