Dystopien

2013-03-05 16_07_55

So lange wie Menschen zusammenleben, sind sie sich darüber im Klarem, dass die gegebene Situation alles andere als perfekt, generell eher suboptimal und unerfreulich ist. Dementsprechend alt sind auch die Hirngespinste von der idealen Situation, kurz gesagt: Utopien

Wenn man die Welt allerdings von einem realistischen Standpunkt aus betrachtet, wird schnell klar, dass die Erfüllung einer Utopie anscheinend zwangsläufig immer im Schlechten – der Dystopie – endet, sei es in Form eines totalitären Überwachungsstaates (George Orwells „1984“), eine Gesellschaft die sich in künstliche und echte Menschen aufspaltet (Ridley Scotts „Blade Runner“ bzw. Phillip K. Dicks „Do Androids Dream of Electric Sheep“), oder die wissenschaftlich sowie ethnisch ultraliberale Unterwasser Metropole – welche leider mit einem kleinen Mutantenproblem zu kämpfen hat –  im Falle von Bioshock.

Kein Wunder  dass sich noch niemand darum bemüht hat eine Utopie in die Tat umzusetzen; bis jetzt.

Denn tatsächlich gibt es jetzt Menschen, die den Traum von der idealen Stadt zur Realität machen wollen. Das Konzept nennt sich Charter Cities und wird in naher Zukunft zunächst in Honduras und dann nach und nach auch anderen Ländern (vornehmlich eher armer Natur) umgesetzt werden.

Das Interessante an der Situation ist, dass die entstandenen Charter Cities weitgehend von dem Einfluss ihrer Gastgeber-Länder frei bleiben: Innerhalb des Stadtgebiets würde eine eigene Jurisdiktion (nach westeuropäischen Standards) gelten, Richter würden aus anderen Ländern berufen werden, die Sicherheit läge in der Hand von privaten Sicherheitsfirmen, obwohl den honduranischen Offiziellen hier wenigstens noch ein Eingriffsrecht vorbehalten wird.

Wenn man den Worten von Charter City Initiator und Professor für Volkwirtschaftslehre Paul Romer Glauben schenkt, dürfte die City-eigene Charta gar nicht so oft zum Einsatz kommen.

Um Kriminalität erst gar nicht entstehen zu lassen sollen alle Einwohner der Charter Cities voll beschäftigt und voll versichert sein.

Neben der gesetzlichen Krankenversicherung soll auch der – in hiesigen Kreisen umstrittene – Mindestlohn eingeführt werden, obwohl davon auszugehen ist, dass dieser angemessen der örtlichen Standards deutlich geringer ausfallen wird als in EU-Ländern.

Bis hierhin hört sich das Konzept jedoch wirklich noch sehr utopisch an, allerdings viel mehr noch, wenn man sich fragt wie Paul Romer und Kollegen ein derartiges Mammut-Projekt denn finanzieren wollen.

Meiner Meinung nach ist der Plan die gesamte Infrastruktur von Investoren stellen zu lassen, welche dann Nutzungsgebühren von Privatpersonen und Businesses in der Charter City abzwacken. Dazu müssen aber erst einmal Menschen dort wohnen, die dann die ganze Sache rentabel machen würden, so ein Wasserwerk, oder stadtweite Kanalisation kosten schließlich eine ganze Stange Geld.

Abgesehen vom schnöden Mammon übersieht man meiner bescheidenen Meinung nach den, nicht unwesentlichen Faktor, dass es sich bei den Chartercities um autarke Systeme handelt und mit einer privat organisierten Polizei die perfekten Um

Wie auch immer das Projekt endet, alleine die Aussicht auf eine potentielle Alternative zum Staatenprinzip des 20. Jahrhunderts ist genug für mich um sehen zu wollen wie Romer und Co. den Gaul zu Tode reiten, oder auch nicht.

Wahrscheinlich wird es nicht dazu kommen das genetisch überlegene Mutanten in lächerlichen Karikaturen eines antiken Taucheranzug, kleine Mädchen mit glühenden Augen durch die Gegend tragen, damit selbige dann aus verrottenden Leichen Erbgut abzapfen (was beim ersten Mal lesen nicht so nach alte Leute Porno klang), aber ok:  Man kann ja nicht alles haben!

Advertisements
Getaggt mit , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: