Peter von Frosta — ein Stück Medienarchäologie

In der Zeit der ultimativen Archivier- und Nachvollziehbarkeit welche das Aufkommen des Internets eingeläutet hat, ist es selten geworden, dass man obskure, schöne, oder einfach nur vollkommen wahnsinnige Dinge nicht sofort speichern und mit anderen teilen kann. Das Werbervideo welches ich euch in diesem Post verlinkt habe ist ein perfektes Beispiel für ein solchen Medienartefakt.


Hierbei handelt es sich um einen Frosta Werbespot (für irgendwelchen vakuumierten Fischabfall) in dem die gute Ruth den armen Frosta Koch Peter dauerhaft mit irgendwelchen trivialen Fragen über Frostas Tiefkühlfraß maltretiert.

 

So in etwa sahen die meisten Clips dieser Werbereihe aus. Doch dann eines Abends so gegen 21 Uhr lief ein Spot, der ein wenig anders aussah:

 

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich damals erst einmal verdutzt vor der Flimmerkiste saß und nicht ganz genau wusste wie ich das Stück Werbeterrorismus, welches mir gerade durch den visuellen Kortex geblitzt war, auch nur zu verarbeiten anfangen sollte. Nachdem ich für Wochen, oder Monate (oder für wie lange auch immer so ein durchschnittlicher Werbespot im Fernsehen zirkuliert) nur für die normale, hirnvernichtend unanstößige Frosta Werbung konditioniert worden war, wirkte dies wie ein Anschlag auf mein inneres Kongruenzfühl.

Was die Sache nicht gerade einfacher zu verarbeiten machte, war die Tatsache, dass sich Videoportale wie Youtube damals noch nicht so großer Beliebtheit erfreute wie heute und deswegen nicht alles sofort und ohne Gnade für die Nachwelt dokumentiert wurde (insbesondere weil Mitte der 2000er Bildschirmaufnahmen noch eine prekäre Angelegenheit waren). Dementsprechend wollte mir niemand so recht glauben, dass dieser Spot exisitierte. Nach ein paar Wochen erfolglosen durchstöbern des Internets, sowie verstört/mitleidigen Blicken meiner Freunde wenn ich ihnen mein Erlebnis mitteilte, fing ich so langsam an selber zu glauben, mir die ganze Sache nur im Halbschlaf eingebildet zu haben.

Doch dann eines Tages – in etwa 10 Jahre später – kam das Thema obskure TV-Clips im Telegram Chat des Bremer Podcasts Gefährliches Halbwissen auf (exzellenter Podcast, bitte sofort abonnieren), was mich veranlasste noch einmal auf Youtube nach meinem persönlichen weißen Wal zu suchen, diesmal mit Erfolg.

Rückblickend betrachtet, war die gesamte „Peter von Frosta Affäre“ eine spaßige und erstaunlich befriedigende Angelegenheit. Die Auflösung dieser 10 Jahre andauernden Odyssee machte mir Hunger auf mehr staubige Relikte halbvergessener Kindheitserinnerungen. Tatsächlich gibt es ein subreddit welches sich ausschließlich mit der Sammlung obskurer Videoclips (hauptsächlich aus dem englischen Sprachraum) beschäftigt.

Selbst wenn man keinen nostalgischen Bezug auf irgendeinen körnigen, 360p Clearasil Werbespots aus den 80ern hat, ist dieser doch irgendwie ein faszinierendes Stück Geschichte, welches sich von von 4000 Jahre alten sumerischen Tontafeln welche den Kauf eines Sacks Getreide belegen, eigentlich nur darin unterscheiden, dass die Zeit aus welche erstere stammt noch nicht so in Vergessenheit gehüllt ist wie die der Letzteren.

Vielleicht werden Spots wie diese in zukünftigen Millenia einmal den Datenarchäologen der Zukunft dazu dienen, sich ein Bild von unserem jetzigen Zeitalter zu bilden. Meine Fresse, werden die verwirrt sein, wenn sie zufällig auf diesen Frosta-Spot stoßen.

 

 

Bonus: Die „Peter von Frosta“ Reihe von Werbespots gibt’s schon seit den 90ern ich habe euch hiermal eine kurze Playlist erstellt (Contentwarnung: „Leicht“ rassistisch)

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